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Kastanienminiermotte

Kastanienminiermotte

(Cameraria oridella)

Kastanienminiermotte

So oder ähnlich werden die meißten Rosskastanien im Frühsommer aussehen. Schuld ist die Kastanienminiermotte.

Ästhetisches Problem
Um es gleich zu sagen: Die Bäume der Rosskastanie sterben durch den Larvenfraß der Kastanienminiermotte nicht ab! Aus den bisherigen Erfahrungen geht hervor, dass selbst stark von der Motte befallene Bäume viele weitere Jahre den Befall problemlos überstehen. Allerdings können die auch durch weitere Faktoren (zu kleiner Standraum, unzureichende Bewässerung, Streusalzeinwirkungen, Emissionen aller Art, mechanische Schädigungen etc.) stark beeinträchtigten Bäume besonders in Städten oder entlang von Straßen weiter geschwächt werden.

Kastanienminiermotte

Seit einigen Jahren versetzt ein Kleinschmetterling mit knapp acht Millimeter Spannweite Grünflächenämter, Biergartenbetreiber und Parkfreunde in helle Aufregung. Einschlägige Medien titelten schon mit Schlagzeilen wie „Killer-Motten bedrohen die Biergärten“. Bereits mitten im Sommer verbräunen die Blätter der Schatten spendenden Kastanien entlang von Straßen, in Parks und Gärten. Vielfach werden die Blätter bei starkem Befall sogar vorzeitig abgeworfen. Mit großem finanziellen und personellen Aufwand werden Kampagnen à la „Rettet unsere Kastanien – Motten stoppen – Blätter sammeln“ gestartet, Schulklassen zum Kastanienblättersammeln abgeordnet und Trupps von mit Laubbläsern bewaffneten Gemeindemitarbeitern pusten auch das letzte Blatt von den innerörtlichen Grünflächen. Muss das eigentlich sein?

Spannende Herkunft
Die Herkunft des kleinen Schmetterlings war lange Zeit unklar. Bis vor kurzem vermuteten die Entomologen, dass der kleine Schmetterling ursprünglich aus Asien stammen könnte. Interessanterweise konnten aber kürzlich in alten Herbarbelegen vom natürlichen Standort der Rosskastanie in Griechenland aus dem Jahr 1879 viele Larven der Kastanienminiermotte nachgewiesen werden, die unbeabsichtigt in den Pflanzenteilen gepresst und archiviert wurden.

Damit ist das Vorkommen des Kleinschmetterlings schon 100 Jahre früher nachgewiesen, bevor die Kastanienminiermotte in Europa überhaupt bekannt und beschrieben wurde.
Aktuelle Forschungen kommen nun zu dem Ergebnis, dass dieser Kleinschmetterling seinen Ursprung auf dem Balkan hat, die Belege in den Herbaren dokumentieren erste Massenvermehrungen bereits aus dem Jahr 1961. Die Kastanienminiermotte lebte lange Zeit in isolierten Populationen in sehr unzugänglichen Schluchtwäldern des Balkans und erst der relativ späte Ausbau von Fernstraßen auf dem Balkan hat dann die weitere Ausbreitung der Motte ermöglicht.

Als „blinde Passagiere“ sind die Insekten an Pkws und Lkws vom natürlichen Standort zu weiteren Standorten der Rosskastanie gelangt. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurde die Rosskastanie aufgrund ihrer attraktiven Belaubung und Blüten in Parkanlagen, Gärten und Straßen in ganz Europa kultiviert.
Seit 1989 eroberte die Miniermotte invasionsartig fast ganz Europa, in Deutschland wurde die Art erstmals 1992 im Raum Passau nachgewiesen und kommt mittlerweile flächendeckend vor.

Bekämpfung notwendig?
Eine effektive und nachhaltige Bekämpfung der Kastanienminiermotte gestaltet sich zudem schwierig. Der Einsatz chemischer Insektizide verbietet sich in Wohngebieten und öffentlichem Grün aus Umwelt- und gesundheitlichen Gründen von selbst.
In Baumschulen kann vor allem an niedrigen Jungbäumen die Kastanienminiermotte mit entsprechenden Mitteln wirksam bekämpft werden. Versuche mit ökologisch weniger problematischen Entwicklungshemmern waren nur kurz von Erfolg gekrönt und haben sich als (noch) nicht effektiv erwiesen. Fallen mit Sexuallockstoffen sind zwar für ein Monitoring der Motte geeignet, nicht aber für eine großflächige Bekämpfung. Leimringe verhindern nur unvollständig das Aufwandern der Miniermotten am Stamm im Frühjahr.
Die gezielte Zucht und Aussetzungen von natürlichen Feinden wie z. B. Schlupfwespen war noch nicht erfolgreich.

Damit bleiben als mögliche Gegenmaßnahmen zumindest zur Reduzierung des Falterfluges die Förderung der natürliche Gegenspieler z. B. Insekten fressender Vögel (Meisen) sowie das Absammeln des Laubes im Herbst, damit die Puppen der dritten Mottengeneration nicht überwintern können. Untersuchungen des Berliner Pflanzenschutzamtes weisen darauf hin, dass konsequentes Absammeln den Befall isolierter Standorte z.B. in einem Biergarten deutlich senken kann.

Eine einfache Kompostierung der gesammelten Blätter im Garten reicht dafür dann allerdings nicht aus. Der klassische kleine quadratmetergroße Kompostplatz erreicht in der Regel nicht die notwendigen Temperaturen, die die widerstandsfähigen Überwinterungsstadien der Kleinschmetterlinge vernichten würden. Ein geschlossener Thermoschnellkomposter würde diese Temperaturen zwar erreichen, stößt meist aber schnell an die Grenzen seines Fassungsvermögens. So bleibt als Entsorgungsmöglichkeit das gesammelte Kastanienlaub über die Biotonne oder Grünabfallsäcken in Großkompostierungsanlagen bzw. in die thermische Verwertung zu verbringen. Auch die Anlieferung der gesammelten Kastanienblätter auf den Kompostplätzen der Kreise wäre möglich, da dort ebenfalls entsprechend hohe Temperaturen erreicht werden. Wer einen entsprechend großen Garten zur Verfügung hat, kann zudem mit Erde abzudeckende Hügelmieten anlegen, die ebenfalls entsprechend hohe Temperaturen erzielen.